Besuch der West Cork Distillers – Ein Einblick

Ende Juni dieses Jahres hatten wir, Kirsch Whisky, uns die Zeit genommen und die West Cork Distillers in Skibbereen besucht. Einen Tag hatten wir Zeit, um die Brennerei und das Land etwas besser kennen zu lernen. Gelegen an der südwestlichen Küste Irlands hat diese Region neben den klischee-grünen Wiesen und der anmutigen Felsenküste auch vieles mehr zu bieten. Es ist ein Land mit Menschen voller Bescheidenheit und herausragender Gastfreundschaft. Ob das wohl an der erfrischenden Luft liegen mag? Wir wissen es nicht, jedoch waren wir begeistert!

Angekommen bei der Brennerei hat uns ein Anblick der etwas anderen Art erwartet: Wer die sonst so schön herausgeputzten Brennereien Schottlands mit ihren extra hergerichteten Besucherzentren kennt wird hier wohl erstmal etwas verdutzt drein schauen: Sicherheitszaun, Kamera und „Betreten Verboten“-Schilder. Im Hintergrund hört man einen Gabelstapler fahren. Einzig und alleine der süßlich-malzige Geruch in der Luft lässt ahnen: Im Inneren könnte sich wohl möglich eine Whiskey-Brennerei befinden.

An der Rezeption verflogen die anfänglichen Zweifel dann doch recht schnell: Einer der drei Brennerei Gründer, John O’Connell, nahm uns direkt persönlich in Empfang und führte uns rum. Viel matter Stahl, einige Euro-Paletten und viele Rohrleitungen waren sichtbar, stets begleitet von den süßlichen Gerüchen in der Luft. Auf den ersten Blick wirkte alles recht industriell auf uns. Doch stolz erklärte uns John, warum ihre Brennerei einem so anmutet wie diese es eben tut. Fast sämtliches Equipment der Brennerei, seien es Maische-Tank, Brennblasen, Silos oder Rohrverbindungen, wurde entweder komplett selber gebaut oder „Second Hand“ erworben und eigens umgebaut und repariert. Im Prinzip ist diese Brennerei ein riesiges „Patchwork-Art“, welches langsam und stetig gewachsen ist. Das Konzept dahinter war sehr gut durchdacht, wie wir später feststellen durften.

„Das hier war unser erster Spirit-Tank, also das Behältnis, wo wir unseren New Make lagern bevor dieser in die Fässer gefüllt wird. Es ist ein ehemaliger Tank aus der Milchindustrie, den wir wieder fit gemacht haben. Mittlerweile brauchten wir jedoch zwei weitere Tanks weil dieser einfach viel zu schnell voll wird“, erzählt uns John lachend.

West Cork Distillers haben nämlich mittlerweile, wie uns John später verriet, eine Produktionskapazität von zirka 3 Millionen Liter reinen Alkohol nur für Whiskey im Jahr. Und das ausschließlich über Pot Stills!

Für die Herstellung von deren Whiskey verwenden die West Cork Distillers frisches Quellwasser, welches täglich von einem Tanklaster angeliefert wird. Ebenso mälzen diese einen Teil ihres Getreides selber. Das restliche Malz erhält die Brennerei von der "Malting Company of Ireland" in Cork, die Ihr Getreide aus dem Bereich Munster bezieht. Jährlich werden von den West Cork Distillers knapp 2500 Tonnen Getreide, gemälzt und ungemälzt, zu Whiskey verarbeitet.

 

Schön ist, dass trotz der hohen Produktionskapazitäten sich die nötige Zeit für die Fermentation genommen wird. Die Fermentationszeit beläuft sich bei West Cork auf knappe 70 Stunden und ist damit vergleichsweise lang.

Als wir uns nun dem Herzen der Brennerei, den Pot Stills, widmen wollten wurden wir auch gleich dem Master Distiller und Operation Manager Patrick Harnedy vorgestellt. Der junge Physiker und Ingenieurs-Sohn zeigte uns zunächst stolz die 6 Meter hohe „Rocket“, die von den West Cork Distillers selbst gebaute Pot Still für den ersten Destillationsvorgang. Der Name „Rocket“ kommt auch nicht von ungefähr: innerhalb von 3 min ist die Brennblase befüllt und in nur 7min werden 1000L Maische destilliert. Dabei wächst der Alkoholgehalt von anfänglichen 13 % vol. auf 30 – 35 % vol. Hier findet also die erste grobe Trennung statt.

Für die nachfolgenden Destillationsschritte nehme man sich aber bedeutend mehr Zeit beteuerte Patrick. Deren zwei „Intermediate Stills“, erworben aus zweiter Hand, haben eine Kapazität von 6000L und destillieren auf knapp 60 % vol. innerhalb von 6 Stunden. Besonders ist hier, dass es zwei unterschiedliche hohe Steigrohre gibt. Der Brennmeister Patrick hat hier also die Option das Aroma des Destillates in einem gewissen Rahmen zu steuern. Zu guter Letzt die zwei kleinen 1200l Spirit Stills habe man aus der Schweiz erworben und bringen den New Make nach 2 Stunden auf finale 72 % vol. Ins Fass wird der New Make mit 63 % vol. abgefüllt.

Bisher kannten wir die Brennerei lediglich von einigen wenigen Fotos und mussten doch feststellen, dass sich einiges verändert hat. Die Brennerei hat sich, wie bereits erwähnt, immer stetig vergrößert und wurde um viele weitere Komponenten erweitert. Damit die Installation neuer Module wenig kompliziert ist haben sich John und sein Team was ganz besonderes ausgedacht: Die „Flow-Plate“.

„Mit der Flow-Plate haben wir die Möglichkeit ein und dieselbe Pumpe für mehrere Transportwege zu benutzen, weil wir individuell Start und Ziel verknüpfen können und uns entscheiden können, welche Pumpe wir dazwischen hängen wollen. Dieselbe Pumpe kann von der ersten Pot Still den Spirit in ein Vorratsgefäß pumpen und zu einem späteren Zeitpunkt genau dieses Vorratsgefäß mit der zweiten Pot Still verbinden. Dadurch sind wir frei in der Anordnung unserer Anlagen innerhalb der Halle und brauchen insgesamt nur sehr wenige der teuren Hochleistungspumpen. Das ist auch der Grund, weshalb das Halleninnere mittlerweile sich so sehr von den älteren Fotos unterscheidet.“, erklärt uns John.

Ebenso verriet er uns, dass keiner im Team den Techniker darum beneidete all die vielen Rohrverbindungen an die „Flow-Plate“ zu installieren. Wir können es vollkommen verstehen!

Die Bereitschaft der West Cork Distillers selber anzupacken und mit eigenen Ideen zu glänzen hatte uns vollkommen begeistert. Wir wurden noch durch deren Werkstatt geführt und konnten zusehen wie währenddessen neue Tanks zusammen geschweißt wurden. Selbstverständlich alles Marke Eigenbau!

 

Damit war der erste Teil unserer Besichtigung abgeschlossen. Anschließend zog es uns an den Hafen von Baltimore zum Sight-Seeing. Dort tümmelten sich viele kleine Segelboote und einige der großen Fischerboote im Hafenbecken. Die Lokale waren voll von Seefahrern und einigen wenigen Touristen. Es war recht ruhig und gemütlich dort.

In einem kleinen Lokal erklärte John uns, dass seine beiden Freunde und Mitbegründer, Ger und Denis, beide vorher Fischer waren und täglich zur See fuhren. Doch schlechte Fangquoten und viel Konkurrenz machte den beiden das Berufsleben schwer. Dies war unter anderem einer der Gründe, weshalb es 2003 zur Gründung der West Cork Distillers kam.

Nach etwas Sight-Seeing haben wir noch einem kleinen Experiment bei der Brennerei beiwohnen dürfen. Das Team hatte die Idee in Zukunft Fässer auch selber ausbrennen zu können. Dazu wurde kurzer Hand ein kleiner eigener Ofen gebaut und eine Halterung für das Fass und schon war alles fertig für einen Test. Wir kamen mit unserem Besuch da gerade rechtzeitig.

 

Das erste selbst ausgebrannte Fass wurde anschließend mit 10 Jahre altem Single Malt befüllt und wir dürfen nun einige Zeit noch darauf warten, bis wir diesen edlen Tropfen probieren dürfen. Mehr dazu, wenn es soweit ist. Es bleibt spannend!

Unser Besuch klang letzten Endes im kleinen Fischerdörfchen Union Hall aus, wo auch die drei Gründer herkommen. Mit einem grandiosen Ausblick verabschiedete sich dieses Land bei uns von seiner besten Seite. Wir können jedem nur ans Herz legen auch den Trip nach West Cork zu wagen und dort die Ruhe und den hervorragenden Whiskey zu genießen!

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